@mupan Man sieht auf jeden Fall, dass du dich damit beschäftigt hast und das ist nicht zu verachten. Ich habe mir deinen Artikel jetzt mehrmals durchgelesen: Allein von der Logik her würde ich sagen, dass es relativ stichhaltig ist. Aber das reicht noch nicht. Grundsätzlich fehlt noch eine wichtige Sache, um mich überzeugen: Empirische Fundierung.

@Supercellol Es gibt zunehmend Menschen, die sich nicht auf ihre Wahrnehmung, sondern allein auf Statistiken verlassen, das überrascht mich nicht. Ich könnte mir auch vorstellen, dass in Sozialwissenschaften zu »Gemeinwirtschaft« o.ä. geforscht wird. Ich kenn aber keine Arbeiten, hab nie danach gesucht.

Sozialismus ist kaum je versucht worden, im ex Ostblock sicher nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass Allende Vieles richtig gemacht hat, seine frühe Ermordung spricht dafür.

Albert Krölls untersucht zwar die innere Struktur des Grundgesetzes als Jurist, aber wenn er die Verfassungswirklichkeit dazu in den Blick nimmt, bringt er auch Zahlen und Erfahrung. Vielleicht findest du in seinen Büchern die bei mir vermisste Empirie.

@mupan
Ich glaube, dass der Sozialismus schon versucht wurde, aber auf lange Sicht keine demokratische Mehrheit glücklich damit ist, weshalb schlussendlich totalitäre Maßnahmen ergriffen werden mussten/müssen, um das System zu erhalten.
Die Ideale widersprechen meiner Überlegung nach dem natürlichen Bestreben des Menschen, sich zu messen und zu konkurrieren. Eine klassenlose Gesellschaft widerspricht sozusagen unseren evolutionär herausgebildeten Instinkten.

@mupan Ich glaube dementsprechend, dass einige Aspekte des Sozialismus definitiv erstrebenswert wären, aber aufgrund unserer kompetetiven Natur nicht langfristig umsetzbar sind.
Und weil ich im Vergleich den umsetzbaren Kapitalismus als funktionierend und auch gemeinwohlfördernd ansehe (wenn auch vlt nicht so optimal wie Ideale des Sozialismus), sehe ich Stand jetzt keinen Grund, erneut einen Versuch für den Sozialismus zu starten oder dafür zu kämpfen.

@Supercellol Du und ich und viele Menschen auf dem nördlichen Globus profitieren vom Kapitalismus. Wenn sogar der Papst, ethisch im reaktionären Korsett vergangener Jahrhunderte im Katholizismus stecken gebliebener alter Patriarch, sagt, »Diese Wirtschaft tötet«, spätestens dann würde ich das eigene Schönreden und den Glauben an die Reformfähigkeit des Kapitalismus nochmal überdenken.

Aber ist egal. Wir machen die Grenzen zu, dann brauchen wir die von uns verursachten Verwerfungen und Verteilungskämpfe nicht mitbekommen. Wie wärs stattdessen mit ein paar Hungerspielen (nicht die von Klum, die von Collins) für unser Amusement?

@mupan Wir im Norden profitieren vom Kapitalismus, ganz klar. Aber tatsächlich ist die Prebisch-Singer-These laut meinem Ex-Dozenten empirisch widerlegt, dementsprechend profitieren auch Menschen des globalen Südens. Die Statistiken zu Armutsentwicklung, Menschenrechtsentwicklung etc. über die Jahre sprechen da imo auch eine klare Sprache.
Das Argument mit dem Papst finde ich wenig stichhaltig und die Hungerspiele sind etwas polemisch...

@Supercellol Was du sagst, reproduziert die naive Vorstellung, eine Gemeinschaft oder ein Machtgebilde wie ein Staat könne sich im globalen kapitalistischen Ausbeutermarkt mal eben abmelden und für Jahrzehnte ein Sozialexperiment namens Sozialismus ungestört mit sich selbst ausmachen.

Die biblischen Prophet.inn.en hatten einen genauen Blick auf die damaligen Opferkultgesellschaften geworfen, und in allem, was sie sagen, ist zu sehen, dass die Ausbeutung ein strukturelles Thema ist. Als »das Volk« nach einem König schrie, warnten sie: Er wird euch in die Schuldenfalle treiben, deine Felder, dein Vieh, deine Töchter für Zwecke und deine Söhne für andere Zwecke nehmen. Ohne Erfolg.

Wie historisch die »Tora-Republik« war, wissen wir nicht. Auch als Erzählung sagt sie deutlich, dass sich über Strukturen und Macht bestimmt, ob Menschen Wettbewerb erlernen und ob sie ihre Ellenbogen gebrauchen können. Nur, wer abhängig ist, muss sich Ausbeutung und strukturelle und physische Gewalt gefallen lassen.

@mupan Es gibt sicher Wechselwirkungen, da hast du Recht. Aber es ist nicht so, dass es ein Land war, welches dieses Experiment durchgezogen hat, sondern es waren viele, gut vernetzte Länder, die das gemacht haben. Kurzgesagt: Es bestand die Möglichkeit, sich vom globalen System abzukoppeln. Und dennoch: Die Staaten sind auf lange Sicht vorrangig mit Gewalt gegen eigene Bürger aufgefallen, nicht durch Gleichheit, Harmonie und andere angestrebte Ideale.

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