@favstarmafia@social.anoxinon.de @letterus (1/x) Gewaltopfer erfahren in den mir bekannten Ambulanzen:

* Chance auf »Gerechtigkeit« durch gerichtsfeste Beweismittelsicherung
* umfassende medizinische Versorgung (Uniklinik)

Der Wunsch nach Auseinandersetzung mit Tat und Tätern kommt oft ein wenig später als unmittelbar nach der Tat, v.a. bei sexualisierter Gewalt. Deshalb und wegen der häufigen sekundären Viktimisierung durch die Polizei (nicht immer bewusst und gewollt) mögen viele noch keine Anzeige erstatten. Die Verletzungen sind aber noch frisch und hoffentlich nur oberflächlich grundversorgt.

@favstarmafia@social.anoxinon.de @letterus (2/x) Rechtsmedizinische Ärzt*inn*en und manchmal Psycholog*inn*en wissen genau, wie Gewalt durch Fremdeinwirkung am Körper aussieht.

Hinterher, wenn's zu spät wäre, kommt oft der Wunsch nach einer Schuldanerkenntnis durch die Täter, ggf. durch Verurteilung. Wurden rechtzeitig und sachverständig die körperlichen und teils die seelischen Folgen (soweit schon sichtbar) dokumentiert, ist das dann noch möglich, wenn die / der Geschädigte so weit ist.

Sekundäre Viktimisierung: Viele Geschädigte erleben sich während der Tat als Opfer, und bei einer Anzeige und im Gerichtsprozess weitere Male. Das muss gar nicht verstärkt werden etwa durch eine mehr oder weniger versteckte Tendenz der Behörden

@favstarmafia@social.anoxinon.de @letterus (3/x) bei Behörden und Gerichten zur Täter-Opfer-Umkehr, die es leider oft gibt. Der Zwang, die Tat noch einmal durchleben und die gespeicherten Gefühle. wieder triggern zu müssen, reicht schon aus. Je frischer die Tat, desto leichter brechen auch seelische Wunden wieder auf. Je mehr Abstand, je mehr Support durch ein emanzipatives, freundliches Netzwerk (Frauenhäuser, Freund*inn*en, Therapeut*inn*en, …) spürbar, desto leichter lässt sich auch der Prozess der Aufarbeitung bewältigen und erfolgreich abgeschlossen werden durch Genugtuung, Vergebung, Verzeihung, manchmal Versöhnung. Nichts davon zum Preis des Selbstverrats, es geht vielmehr darum, loslassen zu können, eigenen Frieden zu finden. Anerkennung von Schuld und Verantwortung bei Tätern, am besten durch Täter selbst, gehört da dazu.

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@favstarmafia@social.anoxinon.de @letterus (4/4) Übrigens gibt es auch hier bewusst oder unbewusst erfundene oder auf ein Ziel hin veränderte Geschichten. Auch das ist ein Hilferuf. Es ist angenehmer, darauf von Ärzt*inn*en angesprochen zu werden (Verletzungen passen nicht zur Geschichte, sondern z.B. eher zu Selbstbeibringung) und dann noch einmal die Chance zu haben, mit der wahren Geschichte um adäquate Unterstützung zu bitten (personenabhängig, aber die meisten mir bekannten denken so, kennen auch Studien dazu und haben oder profitieren von Erfahrung). Als Lügner nach Hause gejagt und mit Gegenanzeigen zu Tätern gemacht zu werden, wird / würde den meisten nicht gerecht. In der Regel geht es bei Fake nicht um bewusste Rache oder Mobbing, sondern Überforderung, gestörte Wahrnehmung, Münchhausen(-by-proxy)-Syndrom, and the like. Damit sind sowohl Freunde als auch nicht-spezialisierte Profis als auch Behörden oft überfordert.

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